Pflegegeld-Ratgeber


Allgemeines zum Pflegegeld

Das Pflegegeld ist im Bundespflegegeldgesetz geregelt und dient dazu, pflegebedingte Mehraufwendungen pauschaliert abzugelten. Es soll damit eine notwendige Betreuung und Hilfe für die alltäglichen Verrichtungen von pflegebedürftigen Personen ermöglicht werden.

Anspruch auf Pflegegeld haben (auszugsweise)

  • Bezieher einer Vollrente, deren Pflegebedarf durch einen Arbeitsunfall oder Berufskrankheit verursacht wurde
  • Bezieher eines Ruhe- oder Versorgungsgenusses, Versorgungsgeldes, Unterhaltsbeitrages
  • Bezieher von Renten, Beihilfen oder Ausgleich nach dem Kriegsopferversorgungsgesetz, Heeresversorgungsgesetz, Opferfürsorgegesetz, Impfschadengesetz

Zusätzlich zu den obigen Voraussetzungen besteht der Anspruch nur für österreichische Staatsbürger, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Österreich haben. Gleichgestellt mit österreichischen Staatsbürgern sind auch Fremde, wenn es eine Gleichstellung aus Staatsverträgen oder dem Unionsrecht gibt, Fremde, welchen Asyl in Österreich gewährt wurde, Personen, die über ein unionsrechtliches Aufenthaltsrecht gem. Fremdenpolizeigesetz verfügen sowie Personen, die über einen Aufenthaltstitel "Blaue Karte EU", "Daueraufenthalt-EG", "Daueraufenthalt-Familienangehöriger".

Das Pflegegeld teilt sich in 7 Pflegestufen. Welche Pflegestufe eine Person hat, hängt davon ab, wie hoch der durchschnittliche monatliche Pflegebedarf in Stunden ist.

Pflegestufen und deren Stundenausmaß

Das Pflegegeld teilt sich in 7 Pflegestufen auf:

  • Pflegestufe 1:
    Der Pfegebedarf pro Monat muss durchschnittlich mehr als 65 Stunden betragen. Die Höhe des Pflegegeldes für diese Stufe ist EUR 157,30.
  • Pflegestufe 2:
    Der Pfegebedarf pro Monat muss durchschnittlich mehr als 95 Stunden betragen. Die Höhe des Pflegegeldes für diese Stufe ist EUR 290,00.
  • Pflegestufe 3:
    Der Pfegebedarf pro Monat muss durchschnittlich mehr als 120 Stunden betragen. Die Höhe des Pflegegeldes für diese Stufe ist EUR 451,80.
  • Pflegestufe 4:
    Der Pfegebedarf pro Monat muss durchschnittlich mehr als 160 Stunden betragen. Die Höhe des Pflegegeldes für diese Stufe ist EUR 677,60.
  • Pflegestufe 5:
    Der Pfegebedarf pro Monat muss durchschnittlich mehr als 180 Stunden betragen. Die Höhe des Pflegegeldes für diese Stufe ist EUR 920,30.
  • Pflegestufe 6:
    Der Pfegebedarf pro Monat muss durchschnittlich mehr als 180 Stunden betragen, wobei die Betreuungsmaßnahmen zeitlich unkoordinierbar sind und eine dauernde Anwesenheit einer Pflegeperson am Tag sowie in der Nacht erforderlich machen . Die Höhe des Pflegegeldes für diese Stufe ist EUR 1.285,20.
  • Pflegestufe 7:
  • Der Pfegebedarf pro Monat muss durchschnittlich mehr als 180 Stunden betragen, wobei keine zielgerichteten Bewegungen der vier Extremitäten mit funktioneller Umsetzung möglich sind oder ein gleichzuachtender Zustand vorliegt. Die Höhe des Pflegegeldes für diese Stufe ist EUR 1.688,90

In der Einstufungsverordnung zum Bundespflegegeldgesetz werden Richtwerte für den zeitlichen Betreuungsaufwand von gewissen Tätigkeiten angegeben.

Tätigkeit Betreuungsaufwand pro Tag
An- und Auskleiden 2 x 20 Minuten
Reinigung bei Inkontinenz 4 x 10 Minuten
Entleerung und Reinigung des Leibstuhles 4 x 5 Minuten
Einnehmen von Medikamenten 6 Minuten
Anus-praeter-Pflege 15 Minuten
Kanülen- oder Sondenpflege 10 Minuten
Katheter-Pflege 10 Minuten
Einläufe 30 Minuten
Mobilitätshilfe 30 Minuten
Tägliche Körperpflege 2 x 25 Minuten
Zubereitung von Mahlzeiten 1 Stunde
Einnehmen von Mahlzeiten 1 Stunde
Verrichtung der Notdurft 4 x 15 Minuten

Zusätzlich zu diesen täglichen Verrichtungen kommen bei der Betreuung von Kindern bis zum vollendeten 7. Lebensjahr noch 50 Stunden pro Monat sowie bei Kindern bis zum vollendeten 15. Lebensjahr 75 Stunden pro Monat hinzu. Bei demenziellen Erkrankungen gibt es einen fixen Erschwerniszuschlag von 25 Stunden pro Monat.

Für haushaltsbezogene Tätigkeiten wird zusätzlich pro Monat ein Stundenbedarf ermittelt.

Tätigkeit Betreuungsaufwand pro Monat
Herbeischaffung von Nahrungsmitteln, Medikamenten, etc. 10 Stunden
Reinigung der Wohnung 10 Stunden
Reinigung der Wäsche 10 Stunden
Beheizung des Wohnraumes inkl. Besorgung der Heizmaterialien 10 Stunden
Mobilitätshilfe im weiteren Sinn 10 Stunden
Motivationsgespräche 10 Stunden
Vom Antrag zum Pflegegeld
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Dieser muss beim zuständigen Pensionsversicherungsträger eingebracht werden.


Pflegegeldantrag

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Nach der Antragstellung erfolgt ein Hausbesuch durch einen Arzt oder eine Ärztin. Hierbei wird der Pflegebedarf festgestellt. Eine Aufstellung hierüber ist oben ersichtlich. Bei diesem Arztbesuch darf die pflegebedürftige Person eine Vertrauensperson beiziehen.


Ärztliche Begutachtung

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Von der Pensionsversicherungsanstalt wird ein Pflegegeldbescheid erlassen. Dieser basiert auf dem ärztlichen Gutachten. Die Auszahlung des Pflegegeldes erfolgt rückwirkend ab Antragstellung.


Pflegegeldbescheid

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Gegen diesen Bescheid kann man Klage beim Arbeits- und Sozialgericht einbringen. Es kommt dann zu einer Verhandlung, bei der man seine Rechtsansicht vorbringen kann. Es wird dann darüber entschieden, ob der Pflegegeldbescheid abgeändert wird oder nicht. Ein Anwaltszwang besteht nicht.


Klage beim Arbeits- und Sozialgericht

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Frühestens ein Jahr nach der ersten Antragstellung kann bei Verschlechterung des Gesundheitszustandes ein Antrag auf Pflegegelderhöhung eingebracht werden. Der Ablauf ist mit dem des Pflegegeldantrages ident.


Pflegegelderhöhung

Formulare